Änderungen bei den Forstwirten – Mehr Steuern auf Holzverkäufe

Durch das Steuervereinfachungsgesetz 2011 sind auch im Bereich der Forstwirtschaft zum 01.01.2012 verschiedene Änderungen in Kraft getreten.

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Änderungen bei der Kalamitätsnutzung
Nach der Sondervorschrift des § 34b EStG können außerordentliche Einkünfte aus der Forstwirtschaft unter bestimmten Voraussetzungen mit reduzierten Steuersätzen belegt werden.

Die alte Rechtslage des § 34b EStG:
Außerordentliche Einkünfte aus der Forstwirtschaft waren bisher Einkünfte aus Holznutzungen die aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt sind - oder Holznutzungen infolge höherer Gewalt - sogenannte Kalamitätsnutzungen. Kalamitätsnutzungen sind durch Eis-, Schnee-, Windbruch oder Windwurf, Erdbeben, Bergrutsch, Insektenfraß, Brand oder durch Naturereignisse verursachte Schäden im Forst.

Holznutzungen aus wirtschaftlichen Gründen lagen bisher dann vor, wenn die gesamten Holznutzungen abzüglich der Holznutzung infolge höherer Gewalt den Nutzungssatz übersteigen. Bei der Berechnung waren dann noch die in den letzten 3 Wirtschaftsjahren eingesparten Nutzungen in Abzug zu bringen.

Die Steuerermäßigung wurde bis Ende 2011 nur unter der weiteren Voraussetzung gewährt, dass ein Gutachten über den Nutzungssatz des forstwirtschaftlichen Betriebes (sogenanntes Forstbetriebswerk) vorgelegt werden konnte. Das Forstbetriebswerk diente der Feststellung ob außerordentliche Holzeinschläge vorlagen.
Neben dem Forstbetriebswerk musste zudem bisher für die jeweiligen Holznutzungen ermittelt werden, ob diese innerhalb oder außerhalb des Nutzungssatzes lagen. Daneben war noch eine gesonderte Ermittlung und Zuordnung der Einnahmen und Ausgaben zu den einzelnen Holznutzungen vorgeschrieben.

Für die Erlangung der Einkommensteuervergünstigung in Gestalt der sogenannten Fünftel-Regelung, des Viertelsteuersatzes und des halben Steuersatzes war also ein relativer hoher Verwaltungs- und Kostenaufwand erforderlich.

Dieser Verwaltungs- und Kostenaufwand entfällt zukünftig! Der Wegfall ist jedoch mit einem Wehmutstropfen verbunden.

Die neue Rechtslage des § 34b EStG ab dem 01.01.2012
Nach dem neuen § 34b Abs.1 EStG entfällt der Einschlag aus wirtschaftlichen Gründen. Die Vergünstigungen in Form der Fünftel-Regelung, des Viertel- und des halben Steuersatzes werden nur noch gewährt für Kalamitätsnutzungen und für Einschläge wegen gesetzlichem oder behördlichem Zwang.

Kalamitätsnutzungen werden weiterhin als Holznutzungen infolge höherer Gewalt definiert. Dies sind bspw. Holzeinschläge nach Naturereignissen wie Eis-, Schnee-, Windbruch oder Windwurf, Bergrutsch, Insektenfraß, Brand oder Dürre, Rotfäule oder Schädlingsbefall.

Künftig gelten die Steuervorteile für Kalamitätsnutzungen ab dem ersten Euro. Dies ist ein kleiner Vorteil.

Dennoch wird der Wegfall des Einschlags aus wirtschaftlichen Gründen viele Forstwirte schmerzen. Diese Holzeinschläge waren bisher begünstigt, wenn sie über dem normalen Nutzungssatz lagen und wirtschaftliche Gründe, z. B. erhöhter Kapitalbedarf des Betriebsinhabers bestanden.

Grund für den Einschlag aus wirtschaftlichen Gründen waren bspw. die Abfindung weichender Erben, eine Zahllast bei der Erbschaftssteuer oder wenn ein größerer Schuldentilgungsbedarf bestand.

Änderungen bei nichtbuchführenden Forstwirten
Bisher sieht § 51 EStDV (= Einkommensteuerdurchführungsverordnung) für nichtbuchführende Forstbetriebe eine Betriebsausgabenpauschale vor. Diese beträgt bislang 65 % für Einnahmen aus eingeschlagenem Holz und 40 %, wenn das Holz auf dem Stamm verkauft wird.

Diese Betriebsausgabenpauschale ist mit Wirkung zum 01.01.2012 auf 55 % für Einnahmen aus eingeschlagenem Holz und auf 20 % für den Verkauf des Holzes auf dem Stamm abgesenkt worden.

Im Gegenzug zur Absenkung der Pauschale ist in § 51 Abs. 4 EStDV neu eingeführt worden, dass Wiederaufforstungskosten als zusätzliche Betriebsausgaben angesetzt werden können.

Wer fällt unter die Regelungen des § 51 EStDV?

Nichtbuchführende Forstwirte sind forstwirtschaftliche Betriebe die ihren Gewinn nach § 13a EStG ermitteln oder eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung aufstellen.

Für nichtbuchführende Forstwirte waren die Regelungen des § 51 EStDV bisher ohne Einschränkungen anwendbar. Ab dem 01.01.2012 können die Vereinfachungsregeln nur noch von nichtbuchführenden Forstwirten angewendet werden, deren forstwirtschaftlich genutzte Fläche 50 ha nicht übersteigt.

Veröffentlicht im Februar 2012

 

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Bertram Mayer

Ing. agr. grad Bertram Mayer ist Gründer und Partner der Mayer & Kollegen Steuerberatungsgesellschaft. Als Steuerberater und vereidigter Buchprüfer ist er der Spezialist für Hofübergaben und der Beratung bei den Fragestellungen rund um eine Unternehmensübergabe.

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