Dauerbrenner Mini-Jobs Aufstocken kann sich lohnen!

Arbeitnehmer die einen Mini-Job ausüben (Arbeitsentgelt übersteigt 400 € monatlich nicht), sind grundsätzlich von der Sozialversicherung befreit.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde vor etwa 7 Jahren veröffentlicht und ist daher möglicherweise nicht mehr aktuell. Bitte sprechen Sie mit uns, wenn Sie Fragen zu diesem Thema haben.

Die Arbeitgeber entrichten für einen Mini-Jobber Pauschalbeiträge zur Kranken- und Rentenversicherung, sowie Beiträge zur Unfallversicherung und zu den Umlagen.

Der Pauschalbetrag zur Rentenversicherung beträgt derzeit 15 %. Dieser Pauschalbetrag wird vom Arbeitgeber getragen und direkt an die Minijob-Zentrale überwiesen.

Der Arbeitnehmer erwirbt dabei keine vollwertigen Leistungsansprüche in der Rentenversicherung.
Mini-Jobber können jedoch aufstocken, um dadurch vollwertige Leistungsansprüche zu erwerben.

Wie funktioniert das?
Der Mini-Jobber muss auf die Rentenversicherungsfreiheit verzichten. Der Verzicht ist dabei gegenüber dem Arbeitgeber schriftlich zu erklären. Der Verzicht kann nicht rückwirkend abgeschlossen werden - er entfaltet lediglich eine Wirkung für die Zukunft. Die Verzichtserklärung ist für die gesamte Dauer der geringfügigen Beschäftigung gültig. Sie kann nicht widerrufen werden!
Der Arbeitgeber ist dazu verpflichtet, den Arbeitnehmer auf die Möglichkeit der Aufstockung hinzuweisen.

Was kostet die Aufstockung?
Die Differenz zwischen Pauschalbeitrag des Arbeitgebers und vollem Beitrag zur Rentenversicherung (derzeit 19,9 %) muss der Arbeitnehmer auf eigene Kosten aufstocken.
Beispiel: Ein Arbeitnehmer verdient 350 € und will aufstocken:
Pauschalbeitrag des Arbeitgebers:
15 % von 350 € = 52,50 €
Aufstockungsbetrag des Arbeitnehmers: 4,9 % von 350 € = 17,15 €
Die Mindestbemessungsgrundlage beträgt 155 €.
Bezieht ein Mini-Jobber Altersrente, ist eine Aufstockung selbstverständlich nicht mehr möglich.
Für Beschäftigte in Privathaushalten gilt Folgendes: Eine Aufstockung ist ebenfalls möglich. Im Rahmen des Haushaltsscheckverfahrens sind die Pauschalbeiträge für den Arbeitgeber andere. Der pauschale Rentenversicherungsbeitrag beträgt nur 5 %.
Verzichten Mini-Jobber die über das Haushaltsscheckverfahren beschäftigt sind auf ihre Rentenversicherungsfreiheit, so ist folgende Rechnung anzuwenden:
Ein Arbeitnehmer verdient 200 € und will aufstocken:
Pauschalbeitrag des Arbeitgebers:
5 % von 200 € = 10,00 €
Aufstockungsbetrag des Arbeitnehmers: 14,9 % von 200 € = 29,80 €

Welche Vorteile ergeben sich aus der Aufstockung?
Durch die Aufstockung erwirbt der Arbeitnehmer den Status eines rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmers. Dadurch können die Beschäftigten insbesondere:

  • alle Wartezeiten für einen Rentenanspruch früher erfüllen,
  • Ansprüche auf Leistungen zur Rehabilitation erwerben,
  • den Versicherungsschutz für eine Rente wegen Erwerbsminderung erhalten bzw. erlangen
  • sich den Anspruch auf eine staatlich geförderte private Altersversorgung (Riester-Rente) sichern.

Bei einer Aufstockung wird jeder Monat der Dauer des Mini-Jobs auf die Wartezeit angerechnet. Werden nur die pauschalen Beiträge gezahlt, werden pro Jahr lediglich 4 Wartezeitmonate als Beitragszeit angerechnet.

Ein Anspruch auf medizinische Leistungen zur Rehabilitation besteht für Versicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung, die bei Antragstellung bereits eine Wartezeit von 15 Jahren zurückgelegt haben, oder in den letzten 2 Jahren vor Antragstellung 6 Kalendermonate mit Pflichtbeiträgen für eine rentenversicherungspflichtige Beschäftigung abgeleistet haben.

Auch bei der Rente bei einer Erwerbsminderung können Aufstockungsbeträge hilfreich sein - neben der Erfüllung der allgemeinen Wartezeit von 60 Monaten ist unter anderem erforderlich, dass in den letzten 5 Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung, 3 Jahre Pflichtbeiträge für eine rentenversicherungspflichtige Beschäftigung erbracht wurden.
Mit dem Pauschalbetrag zur Rentenversicherung kann dies nicht erreicht werden - gleiches gilt für den Anspruch auf medizinische Rehabilitation.

Entscheidet sich ein Arbeitnehmer für die Aufstockung, so gehört er zum unmittelbar begünstigten Personenkreis bezüglich des Anspruches auf eine Altersvorsorgezulage ("Riester-Rente").

 

Veröffentlicht im September 2011

 

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Christine Mayer-Stöcker

Dipl. Volkswirtin (FH) Christine Mayer-Stöcker ist Partnerin der Mayer & Kollegen Steuerberatungsgesellschaft. Die Steuerberaterin ist auf die Betreuung der grünen Gewerbebetriebe, Agrarunternehmen und das Agribusiness spezialisiert.

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