Die Neuregelung der Kinderbetreuungskosten ab 2012

Am Beispiel von Kinderbetreuungskosten zeigt sich deutlich, dass steuerliche Vorschriften mitunter über eine sehr begrenzte Lebensdauer verfügen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde vor etwa 5 Jahren veröffentlicht und ist daher möglicherweise nicht mehr aktuell. Bitte sprechen Sie mit uns, wenn Sie Fragen zu diesem Thema haben.

Im Folgenden wird die Rechtslage bis 2011 und ab 2012 dargestellt.

Rückblende: Rechtslage bis 2011

  1. erwerbsbedingte Kinderbetreuungskosten​​ ​
    Eltern können ⅔ der Aufwendungen, maximal 4.000 EUR je Kind, wie Werbungskosten oder Betriebsausgaben abziehen, sofern ihr haushaltszugehöriges Kind zwischen 0 und 13 Jahre alt (oder schwerbehindert) ist und beide Eltern erwerbstätig sind.
  2. nicht erwerbsbedingte Kinderbetreuungskosten
    Eltern können ⅔ der Aufwendungen, maximal 4.000 EUR je Kind, als Sonderausgaben abziehen, sofern ihr haushaltszugehöriges Kind zwischen 0 und 13 Jahre alt (oder schwerbehindert) ist und die Eltern sich in Ausbildung befinden, längerfristig krank oder behindert sind bzw. ein Elternteil die vorgenannten Voraussetzungen erfüllt und der andere Elternteil erwerbstätig ist. 
    Nach der sogenannten Kindergartenregelung kann der Sonderausgabenabzug bei haushaltszugehörigen Kindern zwischen 3 bis 5 Jahren ohne diese Voraussetzungen gewährt werden. Kosten für Kinder dieser Altersgruppe werden also berücksichtigt, selbst wenn die Eltern die Voraussetzungen der Erwerbstätigkeit, Ausbildung, Behinderung oder Krankheit nicht erfüllen.


Neue Rechtslage ab 2012

Die bisher vorgenommene Unterscheidung zwischen erwerbsbedingten und nicht erwerbsbedingten Kinderbetreuungskosten hat der Gesetzgeber mit dem Steuervereinfachungsgesetz 2011 ersatzlos aufgegeben. Ab dem 01.01.2012 wird im neugeschaffenen § 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG bestimmt, dass die Kosten der Kinderbetreuung nur noch als Sonderausgaben abgezogen werden können.

Wie bisher sind ⅔ der Kosten abziehbar, maximal 4.000 EUR je Kind. Ein Abzug als Betriebsausgaben und Werbungskosten ist nicht mehr vorgesehen.

Der Sonderausgabenabzug wird nunmehr einheitlich für Kinder gewährt, die

  • zwischen 0 und 13 Jahren alt sind,
  • Kinder ersten Grades oder Pflegekinder sind und
  • zum Haushalt des Steuerpflichtigen gehören.

Sonderfall Schwerbehinderung: Bei schwerbehinderten Kindern ist die Altersgrenze von 14 Jahren nicht zu beachten. Sie werden steuerlich berücksichtigt, sofern sie wegen einer vor ihrem 25. Geburtstag eingetretenen körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung außerstande sind, sich selbst zu unterhalten. Berücksichtigungsfähig sind auch Kinder, bei denen die Behinderung vor dem 01.01.2007 und zwischen dem 25. und 27. Geburtstag eingetreten ist (§ 52 Abs. 24a Satz 2 EStG).

TIPP: Nach der neuen Rechtslage kommt es nicht mehr darauf an, aus welchen Gründen die Kinderbetreuungskosten angefallen sind. Es ist unerheblich ob die Eltern erwerbstätig, in Ausbildung, behindert oder längerfristig erkrankt sind.

Was sind Kinderbetreuungskosten?

Steuerlich begünstigt sind nur Aufwendungen für die Betreuung des Kindes, nicht hingegen Kosten für Unterricht, die Vermittlung besonderer Fähigkeiten und Freizeitbetätigungen (z. B. Nachhilfe, Musikunterricht, Reitunterricht).

Wie jede gesetzliche Neuregelung, werden auch die Neuerungen auf dem Gebiet der Kinderbetreuungskosten in der Praxis etliche Anwendungsfragen aufwerfen. Das Bundesfinanzministerium hat daher mit Schreiben vom 14.3.2012 zu den neuen Abzugsvoraussetzungen ab 2012 bereits umfangreich Stellung bezogen.

Klassische Kinderbetreuungskosten

Kosten können nur dann steuerlich berücksichtigt werden, wenn sie aufgrund der Betreuung des Kindes entstanden sind. Hierunter fasst das BMF:

  • Die Unterbringung von Kindern in Kindergärten, Kindertagesstätten, Kinderhorten, Kinderheimen, Kinderkrippen sowie bei Tagesmüttern, Wochenmüttern und in Ganztagespflegestellen
  • die Beschäftigung von Kinderpflegern/
    -innen und Erziehern/-innen
  • die Beschäftigung von Haushaltshilfen zur Kinderbetreuung und
  • die Beaufsichtigung des Kindes bei den Hausaufgaben.

Betreuung durch Angehörige: Sofern Angehörige das Kind betreuen, sind die Kosten nur dann steuerlich abzugsfähig, wenn der Betreuung klare und eindeutige Vereinbarungen zugrunde liegen. Das Betreuungsverhältnis muss zudem einem Fremdvergleich standhalten und tatsächlich durchgeführt werden, damit das Finanzamt die Kosten anerkennt.

Nicht als Kinderbetreuungskosten abzugsfähig sind:

  • Aufwendungen für Unterricht (Nachhilfeunterricht, Sprachunterricht etc.),
  • Aufwendungen für die Vermittlung besonderer Fähigkeiten (z. B. Musikunterricht) und
  • Aufwendungen für sämtliche Freizeitaktivitäten (z. B. Sportverein).
  • Auch Kosten für die Verpflegung des Kindes dürfen keinen Eingang in die Steuererklärung der Eltern finden.

Nachmittagsbetreuung in der Schule

Wird das Kind nachmittags in der Schule betreut, werden hierfür zumeist einheitliche Elternbeiträge erhoben. Da nur die Kosten der reinen Betreuung (z. B. für die Hausaufgabenbetreuung) steuerlich abziehbar sind, andere Entgeltanteile (z. B. für Nachhilfe und Verpflegung) hingegen ausscheiden, müssen die Elternbeiträge daher aufgeteilt werden. Da eine Aufteilung im Schätzungswege bei der Nachmittagsbetreuung nicht erlaubt ist, muss eine entsprechende Aufschlüsselung vorgelegt werden (z. B. Rechnung der Schule).

Au-Pair

Nehmen die Eltern ein Au-Pair in der Familie auf, können sie die entstehenden Kosten aus Vereinfachungsgründen mit 50 Prozent als Kinderbetreuungskosten ansetzen. Ein höherer Kostenanteil kann nur abgezogen werden, sofern der Umfang der durch das Au-Pair geleisteten Kinderbetreuung nachgewiesen wird (z. B. durch Au-Pair-Vertrag).

Haushaltszugehörigkeit

Das Kind muss dem Haushalt eines Elternteils angehören, damit die Kinderbetreuungskosten bei ihm zum Ansatz kommen können. Als Haushalt werden auch Wohngemeinschaften akzeptiert. Leben die Elternteile nicht zusammen, kommt es steuerlich grundsätzlich auf die melderechtliche Erfassung des Kindes an. Das Kind kann aber auch einem Haushalt angehören, bei dem es nicht gemeldet ist, sofern ein Elternteil dies nachweist bzw. glaubhaft macht.

Wer darf die Kosten abziehen?

Für den steuerlichen Abzug ist es grundsätzlich erforderlich, dass der Elternteil, in dessen Haushalt das Kind lebt, die Kinderbetreuungskosten auch selbst getragen hat. Haben beide Elternteile die Kosten getragen und lebt das Kind im gemeinsamen Haushalt, darf jeder seine tatsächlichen Aufwendungen nur bis zum hälftigen Abzugshöchstbetrag (= 2.000 EUR) abziehen.

Der Höchstbetrag von 4.000 EUR

Der Höchstbetrag von 4.000 EUR gilt je Kind und je Kalenderjahr. Die Ausgestaltung als Jahresbetrag führt dazu, dass der Höchstbetrag selbst dann ungekürzt gewährt wird, wenn die Kinderbetreuungskosten nur für einen Teil des Kalenderjahres angefallen sind (z. B. Kindergartenbeiträge nur für Januar bis Juli).

Das BMF stellt in seinem Anwendungsschreiben zudem dar, welche Nachweise die Eltern zum steuerlichen Abzug von Kinderbetreuungskosten benötigen. Nach § 10 Abs. 1 Nr. 5 Satz 4 EStG müssen die Eltern für die Aufwendungen eine Rechnung erhalten und die Zahlung auf das Konto des Erbringers geleistet haben.

Es ist allerdings nicht erforderlich, dass die Eltern die Rechnung und den Zahlungsnachweis (Kontoauszug) direkt ihrer Steuererklärung beifügen. Sie müssen die Unterlagen aber gegebenenfalls auf Anforderung des Finanzamts nachreichen.

Die Rechnung

Anstatt durch eine Rechnung können Kinderbetreuungskosten auch durch Arbeitsvertrag (z. B. bei Minijobs), Au-Pair-Vertrag, Gebührenbescheid (z. B. bei Kindergartenbetreuung) oder eine Quittung (z. B. bei Nebenkosten der Betreuung) nachgewiesen werden.

Die Zahlungsart

Die Zahlung ist in der Regel durch einen Kontoauszug nachzuweisen. Das BMF weist darauf hin, dass Barzahlungen in keinem Fall anerkannt werden. Somit sollten Eltern unbedingt davon Abstand nehmen, Betreuungsleistungen in bar zu begleichen. Auch Anzahlungen und Teilzahlungen in bar sowie Barschecks werden von den Finanzämtern nicht akzeptiert. Selbst wenn Eltern den Geldeingang auf Seiten des Leistungserbringers nachweisen, werden Barzahlungen steuerlich nicht akzeptiert.

Eltern können Kinderbetreuungskosten auch dann abziehen, wenn die Betreuungsleistung von dem Konto eines Dritten bezahlt wurde (der Elternteil aber eine Rechnung erhalten hat). Das BMF lässt diesen abgekürzten Zahlungsweg ausdrücklich zu.

Sofern die Eltern unverheiratet, dauernd getrennt oder geschieden sind, können die Kinderbetreuungskosten nur von demjenigen Elternteil abgezogen werden, der sie getragen hat (und zu dem das Kind haushaltszugehörig ist). Sofern beide Elternteile die Kosten getragen haben und mit dem Kind in einem Haushalt leben, kann jeder seine tatsächlichen Aufwendungen grundsätzlich bis zur Höhe des hälftigen Höchstbetrags (= 2.000 EUR) abziehen. Auf einvernehmlichen Antrag der Eltern kann der Höchstbetrag aber auch anderweitig aufgeteilt werden.

Überschneidung mit haushaltsnahen Dienstleistungen

Das BMF weist darauf hin, dass Kinderbetreuungskosten i. S. des § 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG nicht als haushaltsnahe Dienstleistungen abgezogen werden können. Daher ist es auch nicht möglich, das nicht abziehbare Drittel der Kinderbetreuungskosten und den 4.000 EUR übersteigenden Betreuungsaufwand als haushaltsnahe Dienstleistungen abzuziehen.

 

 

 

Veröffentlicht im April 2012

 

Das könnte Sie auch interessieren