Geringwertige Wirtschaftsgüter – das neue Wahlrecht

Überblick über die verschiedenen Wahlmöglichkeiten

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde vor etwa 8 Jahren veröffentlicht und ist daher möglicherweise nicht mehr aktuell. Bitte sprechen Sie mit uns, wenn Sie Fragen zu diesem Thema haben.

Durch das Wachstumsbeschleunigungsgesetz wurden die Regelungen zur Abschreibung von geringwertigen Wirtschaftsgütern ab dem Jahr 2010 neu gestaltet.

Der Gesetzgeber räumt den Steuerpflichtigen künftig ein Wahlrecht ein. Für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG), die nach dem 31.12.2009 angeschafft, hergestellt oder in das Betriebsvermögen eingelegt werden, können die Steuerpflichtigen künftig zwischen der "alten" Regelungen - der sogenannten 410 € Regelungen - und dem Sammelposten der im Jahr 2008 eingeführt wurde - wählen.

Im folgenden Beitrag wollen wir Ihnen die alte und die neue Regelung nochmals kurz vorstellen und Ihnen das so genannte Drei - Konten Modell vorstellen. Mit Hilfe des Drei-Konten-Modells kann für den jeweiligen Betrieb die optimalste Regelung in Bezug auf die GWG gefunden werden.

Geringwertige Wirtschaftsgüter bis 410 € netto - Regelung bis 31.12.2007
Wirtschaftsgüter deren Nettoanschaffungskosten 410 € nicht überstiegen haben, konnten sofort als Betriebsausgaben abgezogen werden. Wirtschaftsgüter deren Wert 410 € überstiegen haben, sind auf die entsprechende Nutzungsdauer zu verteilen gewesen.

Sammelposten - Regelung für die Jahre 2008 und 2009
Betrugen bei Anschaffung, Herstellung oder Einlage eines Wirtschaftsguts nach dem 31.12.2007 und vor dem 1.1.2010 die Anschaffungs- oder Herstellungskosten bzw. der Einlagewert netto mehr als 150 €, waren die Kosten bzw. der Einlagewert nicht sofort als Betriebsausgabe zu berücksichtigen. Grundsätzlich waren dabei die Aufwendungen bei abnutzbaren Wirtschaftsgütern auf die Nutzungsdauer zu verteilen. Wirtschaftsgüter deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten oder deren Einlagewert zwar 150 € nicht ab 1.000 € überstiegen haben waren, in einen Sammelposten einzustellen, der im Jahr der Anschaffung, Herstellung oder Einlage sowie in den 4 folgenden Wirtschaftsjahren mit jeweils 1/5 gewinnmindernd aufgelöst wurde. Die tatsächliche Nutzungsdauer der dem Sammelposten zugeführten Wirtschaftsgüter war dabei ohne Bedeutung. Ebenso war es für die Höhe und die Auflösung des Sammelpostens ohne Auswirkung, wenn ein Wirtschaftsgut vor Ablauf der 5 Jahre aus dem Betriebsvermögen ausgeschieden ist.
Wirtschaftsgüter mit einem Nettoanschaffungswert von unter 150 € waren dagegen sofort als Betriebsausgaben im vollem Umfang abzugsfähig.

Regelung ab 2010
Wirtschaftsgüter, deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten oder Einlagewerte 150 €, nicht aber 410 € übersteigen, können bei entsprechender Wahlrechtsausübung als geringwertige Wirtschaftsgüter im Jahr der Anschaffung, Herstellung oder Einlage sofort im vollen Umfang abgeschrieben werden. Übersteigen die Anschaffungs- oder Herstellungskosten netto 410 €, sind die Wirtschaftsgüter entsprechend ihrer Nutzungsdauer abzuschreiben.

Alternativ können Wirtschaftsgüter bis zu einem Grenzwert von 1.000 € wie in den Jahren 2008 und 2009 einem Sammelposten zugeführt werden, der über 5 Jahre gewinnmindernd aufzulösen ist. Die Bildung des Sammelpostens gilt somit ab 2010 weiterhin für Wirtschaftsgüter mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten oder Einlagewerten von mehr als 150 € bis einschließlich 1.000 €.

Eine Sonderstellung nehmen Wirtschaftsgüter ein, deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten oder Einlagewerte 150 € nicht übersteigen. Für diese Wirtschaftsgüter bleibt das Wahlrecht bestehen, die Anschaffungs- oder Herstellungskosten bzw. den Einlagewert im Jahr der Anschaffung, Herstellung oder Einlage sofort als Betriebsausgabe zu berücksichtigen. Anderenfalls sind die Wirtschaftsgüter entsprechend ihrer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer abzuschreiben.

WICHTIG: Die Alternative Sammelposten statt sofortigem Betriebsausgabenabzug bis 410 € kann für alle in einem Wirtschaftsjahr angeschafften, hergestellten oder eingelegten Wirtschaftsgüter nur einheitlich ausgeübt werden. Die Entscheidung darüber kann allerdings sinnvoller Weise erst nach Ablauf des Wirtschaftsjahres unter Betrachtung der angeschafften oder hergestellten Wirtschaftsgüter getroffen werden.

Wir empfehlen daher die Anwendung der Drei Konten-Modells:

Drei-Konten-Modell

Um im Rahmen der Jahresabschlussarbeiten die optimale Lösung für die Behandlung der geringwertigen Wirtschaftsgüter festzustellen, empfiehlt sich die Anwendungdes sogenannten Drei-Konten-Modells.

Auf dem Konto 1 werden alle geringwertigen Wirtschaftsgüter gebucht, deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten nicht mehr als 150 € netto betragen. Sie können wahlweise sofort als Betriebsausgaben abgezogen werden oder über ihre Nutzungsdauer verteilt werden.

Im Konto 2 werden alle geringwertigen Wirtschaftsgüter gebucht, deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten netto über 150 € betragen und nicht mehr als 410 € ausmachen. Bei dieser Art der Aufzeichnung besteht im Nachhinein die Möglichkeit, sich für den sofortigen Betriebsausgabenabzug oder für den Ausweis im Sammelposten zu entscheiden.

Bei der Führung des Kontos 2 empfiehlt es sich, die Anschaffungs- oder Herstellungskosten sowie den Anschaffungs- oder Herstellungszeitpunkt aufzuzeichnen.

Im Konto 3 werden alle Wirtschaftsgüter gebucht, deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten netto mehr als 410 € betragen aber nicht mehr als 1.000 €. Auch für die Führung des Kontos 3 empfiehlt es sich, die Anschaffungs- oder Herstellungskosten sowie den Anschaffungs- oder Herstellungszeitpunkt aufzuzeichnen.

Entscheidet man sich am Ende des Wirtschaftsjahres für die Anwendung der 410 € Regelung, sind die Wirtschaftsgüter des Konto 3 in das Anlagenverzeichnis aufzunehmen und auf ihre jeweilige Nutzungsdauer zu verteilen. Entscheidet man sich für die Anwendung des Sammelpostens, sind die Konten 2 und 3 zusammenzuführen und den Sammelposten entsprechend über die Nutzungsdauer von 5 Jahren aufzulösen.

Konto 1 WG bis 150 €
Konto 2 WG 150 € bis 410 €
Konto 3 WG 410 € bis 1.000 €

Sprechen Sie uns bei Bedarf an!

Veröffentlicht im Mai 2010

 

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Christine Mayer-Stöcker

Dipl. Volkswirtin (FH) Christine Mayer-Stöcker ist Partnerin der Mayer & Kollegen Steuerberatungsgesellschaft. Die Steuerberaterin ist auf die Betreuung der grünen Gewerbebetriebe, Agrarunternehmen und das Agribusiness spezialisiert.

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