Die Ehegatten-GbR

Viele Ehegatten in der Land- und Forstwirtschaft sind steuerliche „Mitunternehmer“, ohne dass sie es wissen.

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Dieser Artikel wurde vor etwa 8 Jahren veröffentlicht und ist daher möglicherweise nicht mehr aktuell. Bitte sprechen Sie mit uns, wenn Sie Fragen zu diesem Thema haben.

Denn häufig haben beide Ehepartner Flächen in den Betrieb eingebracht  - die aber nur von einem - dem nach außen in Erscheinung tretenden Landwirt oder der Landwirtin bewirtschaftet werden - es  entsteht eine sogenannte Ehegatten-GbR.
Die Ehegatten-GbR war im Jahr 2008 Gegenstand eines BFH-Urteiles (25.09.2008). Die Finanzverwaltung wird die im Urteil entschiedenen Grundsätze nun über den Einzelfall hinaus anwenden. Im Folgenden wollen wir Ihnen die Ehegatten-GbR sowie die neuen geltenden Grundsätze bei der Entstehung der Ehegatten-GbR erläutern.

Was ist eine Ehegatten-GbR genau und wie entsteht sie?
Um von einer Mitunternehmerschaft auszugehen und damit von einer Ehegatten-GbR, müssen drei Punkte erfüllt sein:

  • Beide Ehegatten bewirtschaften die Flächen gemeinsam und beide Ehepartner arbeiten regelmäßig im Betrieb mit (Buchhaltung reicht).
  • Der Ehepartner der die Flächen bewirtschaftet tritt auch nach außen als Unternehmer in Erscheinung und bewirtschaftet die Flächen des anderen Ehepartners stillschweigend mit. Es gibt also zwischen den Ehegatten keinen Pachtvertrag oder eine andere sonstige Form der Nutzungsüberlassung.
  • Der Flächenanteil des Ehegatten, der bisher nicht nach außen in Erscheinung getreten ist, darf 10 % der Flächengröße der gemeinsam bewirtschafteten land- und forstwirtschaftlichen nicht übersteigen. (Bisher lag die Grenze bei 20 % und Bezugsgröße für die Berechnung war der gemeine Wert des Hofes.)


Wie wird gerechnet?
Zunächst einmal ist die insgesamt bewirt-schaftete Fläche zu ermitteln - dann sind die Eigentums- und Pachtflächen auf die beiden Ehegatten entsprechend aufzuteilen. Liegt der Anteil des nicht nach außen in Erscheinung tretenden Ehegatten unter
10 % besteht keine Ehegatten-GbR. Ist die Grenze überschritten so ist davon auszugehen, dass eine Ehegatten-GbR vorliegt.

Was sind die Folgen?
Eine Ehegatten-GbR führt vor allem dazu, dass die Flächen beider Ehegatten Betriebs-vermögen werden. Sollen Grundstücke im Betriebsvermögen veräußert werden, ist ein möglicher Gewinn bei der Veräußerung auf jeden Fall steuerpflichtig. Die 10-jährige Spekulationsfrist wie im privaten Bereich gilt im betrieblichen Bereich nicht.

Erzielt der Betrieb neben land- und forst-wirtschaftlichen Einkünften auch gewerb-liche Einkünfte kann das Entstehen einer Mitunternehmerschaft zu einer "Durch-säuerung" des land- und forstwirtschaft-lichen Betriebes führen. Dadurch entsteht ein einheitlicher Gewerbebetrieb mit allen Vor- und Nachteilen.

Selbstverständlich hat die Ehegatten-GbR auch Auswirkungen auf die Buchhaltung und auf die Erstellung der Jahresabschlüs-se, auf die Steuererklärungen sowie auf alle anderen Bereiche.

Besonders unangenehm ist es, wenn eine Ehegatten-GbR nicht entdeckt wird sondern erst im Rahmen einer Betriebsprü-fung aufgedeckt wird. Dann spricht man  von einer sogenannten "verdeckten" Ehegatten-GbR.

Eine verdeckte Ehegatten-GbR hat besonders unangenehme Konsequenzen, da dies unter Umständen bedeutet, dass für mehrere Jahre rückwirkend die Folgen der Mitunternehmerschaft eintreten.  

Was ist also zu tun?
Aufgrund der neuen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes sollten die betroffenen Betriebe nun prüfen ob sie unter Beachtung der neuen Grenzen noch eine Ehegatten-GbR sind oder nicht.
Die Entstehung einer Ehegatten-GbR kann unter Umständen z. B. durch Abschluss eines Pachtvertrages vermieden werden.
Die Regelungen sind voraussichtlich für Wirtschaftsjahre anzuwenden, die nach dem 31.12.2009 beginnen. Eine offizielle Stellungnahme der Finanzverwaltung liegt aber noch nicht vor.

Gerne stehen wir Ihnen mit Rat und Tat zur Seite

Veröffentlicht im März 2010

 

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Christine Mayer-Stöcker

Dipl. Volkswirtin (FH) Christine Mayer-Stöcker ist Partnerin der Mayer & Kollegen Steuerberatungsgesellschaft. Die Steuerberaterin ist auf die Betreuung der grünen Gewerbebetriebe, Agrarunternehmen und das Agribusiness spezialisiert.

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