Neuregelung des Kirchensteuerabzugsverfahren

In letzter Zeit haben die Banken und Sparkassen ihre Kunden über die Neuregelung des Kirchensteuerabzugsverfahren zum 01.01.2015 informiert.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde vor etwa 3 Jahren veröffentlicht und ist daher möglicherweise nicht mehr aktuell. Bitte sprechen Sie mit uns, wenn Sie Fragen zu diesem Thema haben.

Im folgenden Beitrag haben wir für Sie die wichtigsten Informationen zu diesem Thema zusammengestellt:

Kirchensteuerabzugsverfahren für Privatpersonen

Bisheriges Verfahren
Seit Einführung der Abgeltungsteuer im Jahr 2009 setzt der Kirchensteuereinbehalt durch Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute einen schriftlichen Antrag des Kirchensteuerpflichtigen voraus. Wurde der Bank kein entsprechender Antrag vorgelegt, war die erhobene Kapitalertragsteuer nach Ablauf des Kalenderjahres zum Zweck der Kirchensteuerveranlagung gegenüber dem Wohnsitzfinanzamt zu erklären.

Neues Verfahren
Ab dem 01.01.2015 wird dieses Antragsverfahren abgeschafft und ein automatisierter Datenabruf über das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) eingeführt.  Damit die notwendigen Informationen ab 2015 vorliegen, laufen die Vorbereitungen bereits seit Anfang dieses Jahres. Insbesondere Banken und Sparkassen benachrichtigen ihre Kunden bereits über das neue Verfahren und weisen auf die bevorstehende Datenabfrage hin.
Wer zukünftig vermeiden möchte, dass das BZSt seine Religionszugehörigkeit auf Anfrage an kirchensteuerabzugsverpflichtete Institutionen übermittelt, kann bis zum 30.06.2014 von seinem Widerspruchsrecht Gebrauch machen und beim BZSt einen sog. Sperrvermerk setzen lassen. Sperrvermerke, die nach diesem Ausschlusstermin veranlasst werden, können erst im Folgejahr berücksichtigt werden.
Im Zeitraum vom 01.09.2014 bis 31.10.2014 müssen die zum Kirchensteuerabzug Verpflichteten beim BZSt den Religionsstatus der Schuldner per 31.08.2014 abfragen. Die Mitteilung des Merkmals erfolgt verschlüsselt als sechsstellige Kennziffer, anhand derer die Kirchensteuer über die Finanzbehörden direkt an die berechtigte Religionsgemeinschaft weitergeleitet werden kann.

Gehört der Schuldner der Kapitalertragsteuer keiner steuererhebenden Religionsgemeinschaft an bzw. hat er der Datenübermittlung spätestens zwei Monate vor Datenabfrage widersprochen (Sperrvermerk), übermittelt das BZSt einen sog. Nullwert. Für den Fall der Eintragung eines Sperrvermerks sind die Kapitalertragsempfänger verpflichtet – sofern im Veranlagungszeitraum Kapitalertragsteuer einbehalten wurde – eine Steuererklärung beim zuständigen Finanzamt einzureichen und die Kirchensteuer nachzuerklären.

Der Abzug der Kirchensteuer erfolgt also entweder direkt an der Quelle – durch die Kreditinistitute – oder aber spätestens im Rahmen einer Einkommensteuerveranlagung.

Besonderheiten für Kapitalgesellschaften

Das Kirchensteuerabzugsverfahren gilt für alle zum Steuerabzug vom Kapitalertrag Verpflichteten – so dass auch Kapitalgesellschaften, die Gewinne an ihre Gesellschafter ausschütten, zum Kirchensteuerabzug verpflichtet sind.  Im Rahmen der Kapitalertragssteueranmeldung ist zukünftig auch die Kirchensteuer mit abzuführen.

Was ist zu tun?
Voraussetzung für den automatischen Kirchensteuerabzug ist eine Registrierung der Kapitalgesellschaft die ausschüttet beim Bundeszentralamt für Steuern. Erst dann ist die Kapitalgesellschaft zum elektronischen Abrufverfahren zugelassen. Diese Registrierung ist einmalig! Die Registrierung ist zwingend durch die Kapitalgesellschaft selbst vorzunehmen; die Registrierung kann unter folgendem link  erfolgen: http://www.bzst.de/DE/Steuern_National/Kirchensteuer/Formulare_und_Links/Antrag_Zul_BOP.html?nn=456266

WICHTIG: Verfügen Sie bereits über ein ELSTER-Zertifikat ist keine zusätzliche Registrierung erforderlich – dann ist lediglich über das ELSTER Portal die Zulassung zum KiStA-Verfahren zu beantragen.

Wie läuft das weitere Verfahren?
Nach der Registrierung und der Zulassung zum Kirchensteuerabzugsverfahren erhält die Kapitalgesellschaft eine Verfahrenskennung. Mit Hilfe der Verfahrenskennung und der Steueridentifikationsnummer des Gesellschafters und seines Geburtsdatums kann das Kirchensteuerabzugsmerkmal (KiStAM) dann abgefragt werden.
Das KiStAM besteht aus dem Kirchensteuersatz sowie der steuererhebenden Kirchensteuereinheit.  Das KiStAM ist jährlich im Zeitraum vom 01. September bis zum 31. Oktober abzurufen – und zwar unabhängig davon, ob Ausschüttungen erfolgt sind oder nicht.

Wie bei den Privatpersonen können Gesellschafter auch einen Sperrvermerk setzen. In diesem Fall kann die Kapitalgesellschaft den Abruf der Daten nicht vornehmen und ist somit auch nicht zum Einbehalt der Kirchensteuer verpflichtet. Der Gesellschafter hat dann die Kirchensteuer im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung nachzuerklären.

Die Gesellschaft muss ihre Gesellschafter auf die Möglichkeit einen Sperrvermerk zu setzen hinweisen – der Sperrvermerk muss bis zum 30.06 eines Jahres beim Bundeszentralamt hinterlegt sein um im folgenden Jahr berücksichtigt zu werden.

Was ist also zu tun?

  1. Registrierung beim Bundeszentralamt für Steuern (falls nicht bereits ein ELSTER-Zertifikat besteht)
  2. Zulassung zum Kirchensteuerabzugsverfahren beantragen
  3. Durchführung des Kirchensteuerabzugsverfahren unter Angabe der Verfahrenskennung, der Steueridentifikationsnummern und der Geburtsdaten der Gesellschafter
  4. Verwendung des Abzugsmerkmals bei der Kapitalertragssteueranmeldung


Die Registrierung und Zulassung zum Kirchensteuerabzugsverfahren ist zwingend durch die Gesellschaft selbst durchzuführen, das Kirchensteuerabzugsverfahren können wir für Sie übernehmen.

Veröffentlicht im April 2014

 

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